Fehlalarm im Gehirn
Ohrgeräusche sind ein häufiges Phänomen. Fast jeder vierte Deutsche hat schon einmal ein Pfeifen, Klingeln, Rauschen oder Summen gehört, das für andere nicht wahrnehmbar war. Meist dauert der Sinneseindruck nur wenige Sekunden oder Minuten an und verschwindet von alleine wieder.
Sind die Geräusche auch am nächsten Tag noch zu hören, sollte ein HNO-Arzt aufgesucht werden. Denn ein akuter Tinnitus lässt sich meist gut behandeln, etwa mit durchblutungsfördernden und entzündungslindernden Medikamenten.
Dauert der Tinnitus bereits mehrere Monate an, ist eine Heilung mit den gängigen Therapien derzeit noch nicht möglich.
Die Ursachen für einen Tinnitus sind vielfältig. Fast immer ist der Auslöser jedoch eine Hörbeeinträchtigung, zum Beispiel infolge einer Mittelohrentzündung, eines Lärmtraumas oder eines Hörsturzes. Stress kann den Tinnitus verstärken, aber alleine vermutlich nicht hervorrufen.
In der Regel entsteht das störende Geräusch nicht in den Ohren, sondern im Gehirn. Dieses reagiert offenbar auf Hörschäden, indem sich die Nervenzellen neu verknüpfen, um den Schaden zu kompensieren.
Zuweilen übernimmt sich das Gehirn dabei. Es erzeugt dann Phantomtöne auf genau den Frequenzen, die der Patient selbst nicht mehr oder nur schlecht hören kann -ähnlich wie bei Phantomschmerzen, die manche Patienten in einem amputierten Gliedmaß verspüren.
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